Wo Mauern sprechen

Aktualisiert: 14. Aug.

Einst wollte ich meine Leidenschaft für Kunst zum Beruf machen. Warum es letztlich nicht dazu kam, weiss ich bis heute nicht genau. Vielleicht fehlte mir damals der nötige Biss, vielleicht bot mein Heimatland schlicht zu wenig Raum für eine künstlerische Laufbahn. Das Leben führte mich jedenfalls in eine andere Richtung – und schliesslich nach Panama.
Heute habe ich die Freiheit, mich der Kunst wieder anzunähern, ohne damit meinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum mir meine alte Leidenschaft plötzlich wieder so leichtfällt.

In Panama begegnet mir Kunst überall. Wer mit offenen Augen durch die Strassen geht, bewegt sich durch eine Art Freiluftgalerie. Selbst Busse werden zu fahrenden Leinwänden, bunt bemalt und oft überraschend detailreich. Hausfassaden verwandeln sich in riesige Bilder, die Geschichten erzählen, provozieren oder einfach nur «mehr Poesie» einfordern.
Street Art ist hier weit mehr als dekorative Verschönerung. Auch das Kulturministerium unterstützt Programme, die junge Künstler ermutigen, graue Fassaden mit Graffiti zum Leben zu erwecken. Solche Projekte verändern nicht nur das Stadtbild. Sie geben jungen Menschen die Möglichkeit, sich auszudrücken und ihren Platz im öffentlichen Raum einzunehmen.
Doch Kunst findet in Panama nicht nur auf der Strasse statt. In kleinen, oft unscheinbaren Galerien entdecke ich eine spannende Mischung aus naiver Malerei, indigenen Einflüssen und zeitgenössischen Stilrichtungen. Vieles davon ist mir neu und gerade deshalb besonders reizvoll.

Ein ganz anderes Kunsterlebnis hatte ich im prächtigen Teatro Nacional. Dort sah ich eine Retrospektive des Nationalballetts. Die Verbindung aus Musik, Bewegung, Kostümen und Architektur war beeindruckend. Für einen Abend schien es, als würde die Geschichte der Stadt selbst auf der Bühne erzählt – manchmal klassisch, manchmal modern, aber immer mit grosser Ausdruckskraft.

Umgeben von so viel kreativer Energie greife ich nun selbst wieder zu Skizzenbuch und Pinsel. Noch ohne konkretes Ziel, mehr aus Neugier und Freude. Ich probiere aus, verwerfe, beginne von vorne und lasse mich überraschen, wohin mich dieser Weg führt. Vielleicht endet er irgendwann in einer Sackgasse. Vielleicht führt er aber auch zu etwas, das ich längst verloren glaubte.
Im Moment genügt mir etwas viel Einfacheres: wieder zu malen, weil es Freude macht. Ohne Druck, ohne Erwartungen – und endlich wieder ganz aus eigenem Antrieb.



Es ist als ob ich in deiner Welt lebe, deine Worte berühren - mich schon immer - jetzt bin ich erst recht neugierig auf den neuen Zauber - skizzieren 🙏🏽🍀🥂 danke, dass du es mit mir, mit uns teilst - dein neues leben in farbe 🥂