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Von der Strandidylle in die Metropole

  • Autorenbild: Abstrusia
    Abstrusia
  • 2. Juli 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 15 Stunden


Manchmal muss man Vertrautes loslassen, um Platz für etwas Neues zu schaffen. Lago Mar war für mich lange ein idealer Rückzugsort: ruhig, naturnah und wunderschön. Trotzdem wuchs mit der Zeit meine Sehnsucht nach dem Leben in der Stadt. Immer öfter zog es mich nach Panama City, um für ein paar Tage die Energie, die internationale Atmosphäre und die moderne Infrastruktur der Metropole zu geniessen. Anfang Mai habe ich dann den Schritt gewagt und bin in die Hauptstadt gezogen. Vermutlich wird das nicht meine letzte Station als Auswanderin sein. Für den Moment fühlt es sich jedoch genau richtig an.


Die Wohnungssuche in Panama City ist allerdings eine kleine Herausforderung. Obwohl zahlreiche Apartments leer stehen, ist der Markt erstaunlich undurchsichtig. Viele Wohnungen werden gar nicht online angeboten, andere tauchen gleichzeitig bei mehreren Maklern auf – oft zu unterschiedlichen Preisen. Für meine Suche im mittleren bis gehobenen Segment war professionelle Hilfe deshalb unverzichtbar.


Zum Glück traf ich Antonio. Der erfahrene Makler verfügt über gute Kontakte, kennt den Markt und hatte ein erstaunliches Gespür für meine Vorstellungen – manchmal wusste er offenbar schon vor mir, was ich suchte. Innerhalb weniger Tage besichtigte ich mehrere Wohnungen. Dann präsentierte er mir mein persönliches Juwel: ein frisch renoviertes Loft mit Meerblick an der prestigeträchtigen Avenida Balboa: 115 Quadratmeter, verteilt auf zwei Etagen, komplett möbliert, dazu 24-Stunden-Security und Concierge-Service. Ein Volltreffer.



Das Leben in einem Hochhaus in Panama City hat ohnehin wenig mit dem klassischen Wohnen in der Schweiz zu tun. Viele Gebäude funktionieren wie kleine Städte unter einem Dach und bieten nahezu alles, was man im Alltag braucht. Mein Wohnkomplex ist dafür ein gutes Beispiel. Im 16. Stock gibt es einen Meditationsgarten, auf den Etagen 28 und 29 befinden sich Fitnessstudio, Sauna, Co-Working-Space, BBQ-Bereich und ein Pool mit spektakulärer Aussicht. Im Erdgeschoss sorgt ein Coffee Shop dafür, dass auch der erste Kaffee des Tages nicht weit entfernt ist.



Der Blick vom Dach ist allerdings kaum zu übertreffen. Auf der einen Seite liegt die Bucht mit den Schiffen, die auf die Durchfahrt durch den Panamakanal warten, auf der anderen die koloniale Altstadt und die moderne Skyline des Bankenviertels. Nachts spiegeln sich die Lichter der Hochhäuser im Wasser. Dann wirkt die Stadt fast unwirklich.


Die Miete für mein Loft entspricht fast dem Doppelten des mittleren panamaischen Einkommens. Trotzdem zahle ich deutlich weniger als für meine kleine Wohnung am Stadtrand von Zürich. Zudem sind fast alle Nebenkosten und die Nutzung der zahlreichen Gemeinschaftseinrichtungen bereits in der Miete enthalten.



Je länger ich hier lebe, desto mehr entdecke ich, dass Panama City trotz aller Hochhäuser überraschend grün sein kann. Jeden Tag stosse ich auf neue kleine Oasen: ein verstecktes Café hinter einer unscheinbaren Tür, ein griechisches Restaurant mit Terrasse unter mächtigen Bäumen oder eine Familie von Nasenbären am Yachthafen. Und manchmal liegt auf meinem morgendlichen Weg tatsächlich ein imposantes Krokodil am Rand des Kanals.

Selbst mitten in der Stadt ist die Natur allgegenwärtig. Am Morgen höre ich Vogelgezwitscher, und am Abend kann ich beobachten, wie Vögel die Auf- und Fallwinde zwischen den Hochhäusern nutzen und sich in rasantem Tempo durch die Häuserschluchten bewegen.



Einer meiner Lieblingsorte ist der Parque Omar, eine weitläufige grüne Oase mitten in der Stadt. Freitags schliesse ich mich dort manchmal einer Gruppe zum Powerwalken an. Die Runde ist sechs Kilometer lang. Auf halber Strecke wartet ein kleiner Früchte- und Gemüsestand, an dem man sich einen Smoothie nach eigenen Vorstellungen zusammenstellen lassen kann. Ein ziemlich gutes Argument, den Weg bis zur Hälfte durchzuhalten.


Natürlich hat das Grossstadtleben auch seine Schattenseiten. Das grösste Problem ist für mich der Verkehr. Panama City ist stark auf das Auto ausgerichtet, Fussgänger haben es entsprechend schwer. Fahrrad oder Motorrad sind ebenfalls keine wirklich entspannte Alternative. Der Verkehr ist chaotisch – oder, wie es einige meiner Uber-Fahrer charmant ausdrücken: «muy creativo». Immerhin bewegt sich etwas. Initiativen für mehr Verkehrsberuhigung und nachhaltige Mobilität machen Hoffnung, und der Ausbau der dritten Metrolinie soll langfristig für Entlastung sorgen.


Panama City ist eine Stadt voller Gegensätze: dicht bebaut und überraschend grün, modern und gleichzeitig von Geschichte geprägt, hektisch und doch voller stiller Rückzugsorte. Genau diese Mischung macht sie für mich so spannend. Und je länger ich hier lebe, desto stärker habe ich das Gefühl: Die eigentliche Entdeckungsreise beginnt gerade erst.

 
 
 

2 Kommentare


Mariposa
21. Juli 2025

sehr interessant geschrieben und beeindruckendes Land

Gefällt mir

Evelina
03. Juli 2025

Sehr gut geschrieben, wie immer.

Gefällt mir
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Über mich

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Auf zu neuen Ufern! Ich wage den Neustart und wandere nach Panama aus. Die Gründe für meinen Wegzug aus der Schweiz sind ebenso vielseitig wie das Land, das ich mir für mein neues Leben ausgesucht habe. 

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