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Bilanz zwischen Paradies und Alltag

Autorenbild: Abstrusia
Abstrusia
2. Jan. 2025
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Aug.



Acht Monate Panama. Zeit für eine erste Bilanz. Die Euphorie des Neuanfangs hat sich gelegt, der Alltag ist eingekehrt – und genau das finde ich spannend. Denn erst wenn das Abenteuer zur Normalität wird, zeigt sich, ob eine Entscheidung wirklich trägt.


Für mich war die Auswanderung vor allem ein Ausbruch aus dem Hamsterrad. Ich wollte mein Leben nicht länger nach den Anforderungen eines Arbeitsalltags ausrichten, der mich zunehmend unzufrieden gemacht hatte. In Panama habe ich etwas gefunden, das mir in der Schweiz gefehlt hat: Zeit und die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie ich meinen Tag verbringe. Gleichzeitig ist mein Lebensstandard hier deutlich höher, als ich ihn mir in der Schweiz hätte leisten können.


Panama ist natürlich kein Paradies. Aber das Land vereint vieles, was ich gesucht habe: tropisches Klima, beeindruckende Natur, kulturelle Vielfalt und eine Infrastruktur, die – zumindest in den Städten – durchaus mit der modernen Welt mithalten kann. Was mir besonders gefällt, ist die Lebenshaltung vieler Panamaer. Familie, Freundschaften und Freizeit scheinen einen höheren Stellenwert zu haben als Karriere und Geld. Die Menschen begegnen mir meist freundlich und zurückhaltend, ohne den ständigen Druck, immer noch mehr erreichen zu müssen.


Besonders angenehm finde ich den Umgang mit älteren Menschen. Für Senioren gibt es gesetzlich festgelegte Vergünstigungen in Restaurants, Hotels, im öffentlichen Verkehr und sogar bei Flugreisen. Auch bei Banken und Behörden werden wir bevorzugt bedient. Ich muss zugeben: Es hat etwas Wohltuendes, wenn das Älterwerden nicht als Makel behandelt wird, sondern mit grossem Respekt und ganz konkreten Vorteilen verbunden ist.


Mein Alltag pendelt inzwischen zwischen Lago Mar und Panama City. Die heftigen Regenfälle im Oktober und November haben meine geplante Reise ins Hochland ins Wasser fallen lassen – im wahrsten Sinne des Wortes. Überschwemmungen machten manche Strecken unpassierbar. Stattdessen habe ich die Zeit genutzt, mich stärker in meinem neuen Umfeld zu vernetzen und mein Spanisch voranzubringen.

Inzwischen kann ich mich im Alltag schon ganz passabel verständigen. Perfekt ist mein Spanisch noch lange nicht, aber ich werde verstanden. Meine Fehler nehmen die Panamaer mit bemerkenswerter Geduld hin – solange sie nur nicht selbst Englisch sprechen müssen.



Dass Lago Mar nur rund eine Stunde von Panama City entfernt liegt, empfinde ich als Glücksfall. Die Hauptstadt bringt Abwechslung in meinen eher ruhigen Alltag: Freunde treffen, Behördengänge erledigen, einkaufen oder einfach ein paar Stunden Grossstadtluft schnuppern. Die moderne Skyline, das internationale Publikum und die lebendige Expat-Community machen Panama City zu einem angenehmen Gegenpol zur Natur und Abgeschiedenheit von Lago Mar. Mein Mietvertrag läuft im April aus. Vielleicht ziehe ich danach für eine Weile in die Hauptstadt. Andererseits reizt mich das Hochland, das ich im Februar erkunden möchte. Die Temperaturen dort sind deutlich angenehmer, und vielleicht finde ich dort einen Ort, an dem ich mir ein längeres Bleiben vorstellen kann.



Natürlich gibt es auch die weniger romantischen Seiten des Lebens in Panama. Die Infrastruktur verlangt mitunter Geduld. Während der Regenzeit können starke Winde und heftige Niederschläge Stromleitungen beschädigen. Meine Wohnanlage verfügt zwar über einen Notstromgenerator, trotzdem sind Stromausfälle nicht zu vermeiden. Der längste dauerte bisher neun Stunden.


Auch die Strassen sind eine Herausforderung. Grosse Schlaglöcher, sogar auf dem Panamerican Highway, machen manche Fahrten zur Slalomübung und sind nicht ganz ungefährlich. Eigentlich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mir ein Motorrad zu kaufen, um das Land unabhängiger zu erkunden. Inzwischen bin ich froh, noch keins zu besitzen.



Trotz allem fällt meine Bilanz eindeutig positiv aus. Die kleinen Unannehmlichkeiten gehören zum Gesamtbild und haben meinen Blick auf Panama eher realistischer als kritischer gemacht. Ich weiss inzwischen, dass hier nicht alles funktioniert wie in der Schweiz. Dafür funktioniert manches anders – und manches für mich sogar besser.


Nach acht Monaten ist aus dem grossen Abenteuer ein neuer Alltag geworden. Und vielleicht ist genau das die beste Nachricht: Ich vermisse mein früheres Leben nicht. Ich lebe nicht im Paradies, aber ich habe einen Ort gefunden, an dem mein Leben mehr nach meinen Vorstellungen funktioniert. Und genau deshalb fühlt sich diese Entscheidung heute richtiger denn je an.

 
 
 

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Über mich

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Auf zu neuen Ufern! Ich wage den Neustart und wandere nach Panama aus. Die Gründe für meinen Wegzug aus der Schweiz sind ebenso vielseitig wie das Land, das ich mir für mein neues Leben ausgesucht habe. 

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