Die stille Kraft der Inseln
- Abstrusia

- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Die Inseln der Guna Yala liegen im Norden Panamas, nur wenige Stunden von der Hauptstadt entfernt. Hier bestimmt nicht der Takt der Uhren den Alltag, sondern der Lauf der Sonne, das Kommen und Gehen der Boote, das Atmen des Meeres. Wer diese Inselwelt betritt, lässt mehr zurück als nur den Lärm der Zivilisation.
In der Sprache der Guna Yala bedeutet Panama Fisch im Überfluss. Ein poetischer Name – und einer, der an kaum einem Ort so greifbar wird wie in diesem autonomen Gebiet an der Nordküste des Landes. Ein mit dichter Vegetation bewachsener Küstenstreifen mit 365 vorgelagerten Inseln, von denen nur ein kleiner Prozentsatz bewohnt ist.
Die Anreise ist Teil des Erlebnisses. Die Strasse schlängelt sich durch sattgrünen Regenwald, vorbei an Flüssen und Hügeln. Am Strassenrand sitzt ein Mann, vor sich kleine Dosen, Tiegel und Flaschen, sorgfältig arrangiert. Ein Nele, erklärt unser Guide – ein traditioneller Heiler. Trotz moderner Lebensweise greifen die Guna Yala bei gesundheitlichen Problemen weiterhin auf dieses überlieferte Wissen zurück. Es ist tief verwurzelt, selbstverständlich und Teil ihres Alltags.
Die Guna Yala sind der einzige indigene Stamm Panamas, der seine Provinz selbstständig regiert. Besonders bemerkenswert ist ihre gesellschaftliche Struktur: ein gut funktionierendes Matriarchat. Besitz und Vererbung erfolgen über die weibliche Linie, Verwaltung und lokaler Handel liegen in Frauenhand. Eine Ordnung, die ruhig und klar wirkt – ohne grosse Worte, ohne Rechtfertigung.
Am Hafen steigen wir in ein kleines Boot. Mit dem Ablegen verändert sich etwas. Die Geräusche der Zivilisation bleiben zurück, das Meer übernimmt. Nach einer halben Stunde Fahrt taucht unsere Insel auf: klein, flach, umgeben von leuchtendem Türkis. Puderweisser Sand, Palmen, dazwischen ein paar einfache Hütten. Hängematten spannen sich zwischen den Stämmen, als gehörten sie seit jeher dorthin.

Wer Luxus sucht, ist hier fehl am Platz. Stattdessen herrscht Einfachheit – und genau darin liegt der Reichtum. Übernachtet wird in schlichten Hütten, gegessen wird, was das Meer hergibt: frische Meeresfrüchte, Kokosreis, Kochbananen. Man schnorchelt über farbenprächtigen Riffen, beobachtet Seesterne im flachen Wasser oder sitzt einfach im Sand und geniesst das Paradies. Die Zeit dehnt sich und verliert ihre Schärfe. Nur das leise Rascheln der Palmen und das gleichmässige Atmen des Ozeans sind zu hören.
Nur wenige Stunden trennen Panama City von dieser Inselwelt – und doch liegen Welten dazwischen. Mein Besuch war kurz, aber eindrücklich. Guna Yala zeigt, dass wahre Fülle nichts mit Komfort zu tun hat, sondern mit Verbindung: zur Natur, zur Gemeinschaft und zu sich selbst.








Achtsamkeit beginnt bei den meisten erst dort, wo Komfort aufhört 😉…
Sehr schön ...
Macht lust zu reisen.