Strandgut und andere Entdeckungen
- Abstrusia

- 3. Aug. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 15 Stunden

Bin ich ein Strandmensch? Diese Frage stellte ich mir zu Beginn meines zweimonatigen Aufenthalts in Nueva Gorgona. Inzwischen kann ich sie eindeutig mit Ja beantworten. Das Leben am Meer hat mich überzeugt.
Der Pazifik ist dabei weit mehr als eine schöne Kulisse. Er gleicht einer geheimnisvollen Schatzkammer, die über Nacht die unterschiedlichsten Dinge an Land spült: entwurzelte Bäume, Wrackteile oder sogar eine verendete Riesenschildkröte. Mit der nächsten Flut verschwinden die Fundstücke wieder, als wären sie nie da gewesen. Ich ertappe mich immer wieder dabei, mir zu jedem Fundstück eine Geschichte auszudenken. Irgendwann werde ich einige davon aufschreiben.

Die Küste westlich von Panama City gilt wegen ihrer Nähe zur Hauptstadt als dicht besiedelt. Im Vergleich zur Schweiz wirkt sie dennoch erstaunlich leer. Auf rund 150 Kilometern reihen sich nur wenige Ortschaften aneinander: das mondäne Buenaventura, das lebhafte Playa Blanca, die Surferorte El Palmar und El Farallón sowie die von Expats geprägten Gemeinden Vista Mar und Coronado. Hinzu kommen das Fischerstädtchen San Carlos, das idyllische Lago Mar und Punta Chame mit seinen weitläufigen Mangroven. Wer hier eine Unterkunft sucht, findet Wohnraum in nahezu allen Preisklassen.

Zwischen den Ortschaften liegt vor allem eines: Natur. Dichter Buschwald wird nur gelegentlich von unbefestigten Wegen durchschnitten, die während der Regenzeit schnell zur Herausforderung werden. Neue Strassen entstehen meist dort, wo Investoren Wohnsiedlungen planen – vorausgesetzt, die Versorgung mit Wasser und Strom lässt sich sicherstellen. Der langsame Ausbau der Infrastruktur hat allerdings auch eine positive Seite. Wo Strassen und Bauprojekte fehlen, bleibt Raum für die Natur. Flora und Fauna können sich vergleichsweise ungestört entwickeln. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, entdeckt deshalb ständig Neues.
Auf meinen Erkundungstouren begleitet mich Carlos. Er ist Immobilienmakler, Tour Guide und zugleich eine Art wandelndes Lexikon. Mit ihm habe ich El Valle de Antón besucht, einen der grössten bewohnten Vulkankrater der Welt. Allein die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis. Die Strasse windet sich durch tropischen Regenwald und steigt auf rund 1000 Meter an. Mit zunehmender Höhe verändert sich die Landschaft, der Wald wird dichter und schliesslich von Nebel umhüllt. In solchen Momenten wirkt die Natur fast mystisch – und ihre Dimensionen erinnern mich einmal mehr daran, wie klein und verletzlich wir Menschen sind.

Im Krater selbst findet man einen farbenfrohen Markt mit Früchten und Gemüse, Restaurants und Hotels, dazu Wasserfälle und heisse Quellen. Viele wohlhabende Panamaer besitzen hier ein Wochenendhaus und kommen für eine kurze Auszeit in die Berge.
Für mich wäre El Valle de Antón allerdings kein Ort für ein dauerhaftes Zuhause. Die Abgeschiedenheit hat ihren Reiz, bringt aber auch Nachteile mit sich. Ein medizinischer Notfall – etwa nach dem Biss einer giftigen Schlange – könnte hier schnell zum Problem werden. Für mich ist eine gute medizinische Versorgung ein wichtiger Faktor bei der Wahl meines künftigen Wohnorts.

Nun ist es Zeit für die nächste Etappe meiner Reise. Ich habe Panamá Oeste und Coclé ausgiebig erkundet und werde nächste Woche mein Strandapartment verlassen. Mein neues Zuhause liegt in Lago Mar, in einem bezaubernden Apartment am Rand eines Mangohains. Von dort aus geht meine Entdeckungsreise weiter: Ich möchte die Provinzen Herrera, Los Santos und Veraguas kennenlernen, neue Orte entdecken und herausfinden, welche Region sich vielleicht eines Tages als mein endgültiges Zuhause erweist.
Panama hat mich bisher vor allem eines gelehrt: Man muss nicht weit suchen, um etwas Neues zu entdecken. Manchmal reicht ein Spaziergang am Strand, ein unbekannter Weg oder die nächste Kurve auf einer Bergstrasse.




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